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Test Review: Arbor Pocket Rocket

Do. 10. Aug 2017, 14:58 Uhr | Timotheus Kredel |

Test Review: Arbor Pocket Rocket

Seit etwa 1,5 Jahren fahre ich nun zur Uni, zum Einkaufen oder auch zur Arbeit mit meinem Longboard im Taschenformat. Die Rede ist hier vom Arbor Pocket Rocket, der hölzernen Taschenrakete aus dem Hause Arbor.

Hard-Facts:        

  •          68,5cm lang
  •          An der breitesten Stelle 20cm breit (nach hinten verjüngend)
  •          35,6cm Wheelbase
  •          Sechs Lagen Ahorn, eine vertikal laminierte Lage Bambus
  •          Medium Concave
  •          Stiff
  •          Standardmäßig verbaut sind eine Caliber Standard 8“ und Arbor Bogarts 61mm 82a samt Risern und Cleargrip

Der erste Eindruck:

Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich auf der Suche nach einem handlichen Begleiter für den Alltag war. Da kam mir das Arbor Pocket Rocket in den Sinn. Die Qualität der Verarbeitung stach mir  direkt ins Auge und auch die tollen Komponenten waren ein Grund mehr, sich das Board genauer anzuschauen. Was mich jedoch abschreckte, war zunächst der Preis, aber ich fühlte mich sehr wohl mit diesem Mini unter meinen Füßen. Mit meinen ca. 190 cm an Höhe sah das Gerät aus wie ein Zahnstocher an der Ladentheke meines lokalen Shops in Oldenburg, es ging nahezu unter zwischen einem Pullover und meinem Helm. Aber ich war guter Dinge und wartete nur auf besseres Wetter für die erste Ausfahrt.


Cruisen und Fahrgefühl:

Nachdem ich mich vom Dancer auf das kurze Brettchen umgewöhnt hatte, konnte es losgehen. Ich habe einige Zeit gebraucht um mich daran zu gewöhnen, aber trotz der Kürze des Tails findet man sich schnell mit den Füßen zurecht. Nachdem ich die Achsen etwas umgesetzt hatte (8-Loch-Bohrung der Caliber sei Dank), die vordere Achse nach vorne, sowie die hintere Achse in die gleiche Richtung montiert war, konnte ich selbst mit meinem Schuhwerk von 45,5-46er Größe ohne Probleme die Spitze an die Nose setzen und lospushen. Das Standardsetup lief wunderbar, war nur anfangs etwas sehr ungewohnt hoch mit dem Riser. Nachdem ich also die Riser entfernt hatte, konnte ich auch problemlos kleinere Bürgersteige hochspringen und mir das Pushen ungemein erleichtern.


Da das Board absolut stiff ist sollte man sich als Flex-Fetischist lieber nicht erhoffen, dass dieses Board Unebenheiten wegschluckt, wie es z.B. bei einem Loaded Tan Tien der Fall ist. Hier spürt man den Belag sehr gut, was aber nicht negativ anzukreiden ist. Dieses Board ist auf kurze Strecken ausgelegt, längere Strecken sollte man nicht unbedingt damit fahren. Die geringe Breite verursachte bei mir leider nach Strecken ab etwa 5km ein elendiges ziehen im Fuß, obwohl das Concave eher mild und unaufdringlich ist. Dennoch war es möglich mit der geringen Breite zu arbeiten und auch neben kleineren Tricks den einen oder anderen Slide zu setzen. Die Bogarts schienen dafür jedoch auf Dauer zu zickig, weshalb ich mich für ältere und schmalere 60mm Rollen von Olson&Hekmati entschieden habe.

Zum Thema Tail lässt sich sagen, dass man hier ziemlich gerade poppen muss, damit das Board nicht verzieht aufgrund der Geometrie eben dieser. Nach etwa 3-4 Wochen konnte ich mich auf das Diamant-förmige Tail einspielen und es wurden auch Ollies und ungewollte, halbe Kickflips und Pop-Shuvits gezogen. Dennoch empfinde ich auch nach der ganzen Zeit des Fahrens das Tail noch immer als eher zu kurz und daher nicht unbedingt gut geeignet für verschiedene Stadt-Situationen bezüglich etwas höherer und scharfkantiger Kantsteine. Mit kleineren Rollen wäre eventuell die Tail ausreichend gewesen, doch damit ginge auch wieder der positive Faktor verloren, dass man mit dem Brett Rollen um die 60mm fahren kann, welche wiederum weniger mit Fugen und kleineren Steinchen/Ästchen zu kämpfen haben.

Haltbarkeit:

Auch im Regen wurde das Board einige Male gefahren, da das Wetter in Bremen abends oft nicht mehr das gleiche ist wie morgens. Das Holz schien bisher ziemlich unbeeindruckt, einzig beim Tricksen hatte es durch Steinchen etwas nachgegeben. Die generellen Schäden und Abnutzungserscheinungen auch durch abgesetzte Manuals sind dennoch als sehr gering zu bezeichnen. Das Ahorn ist sehr abriebfest und gut verleimt.



Das einzig nervige waren Gripverluste durch fehlendes Griptape. Das Griptape zeugte nicht von wirklich herausragender Haltbarkeit und war besonders an Standfläche vorne und im hinterem Tail-Bereich recht schnell glatt. Anstatt das ganze Board abzuschleifen oder partiell neuen Korund aufzutragen habe ich mich dafür entschieden Griptape-Reste zurechtzuschneiden und diese unter starker Erhitzung auf dem noch teils vorhandenen Cleargrip zu platzieren. Der Kleber konnte sich gut auf dem eher weniger griffigen Korund festsetzen und hält seitdem bombig!

Fazit:

Das Pocket Rocket ist ein gutes Board, doch grade für diesen happigen Preis von etwa 200€ hätte ich mehr erwartet. Es wurden gute Komponenten verbaut, doch am Brett war der verklebte Edelkorund eine falsche Wahl. Nach anfänglichen Modifikationen, die nötig waren, machte sich jedoch das Pocket Rocket als ein gutes Uni- bzw. Schul-Brett bewährt. Es passte optimal unter die Tische, egal ob stehend oder liegend, und störte aufgrund der geringen Größe und des geringen Gewichts nicht am Rucksack oder unterm Arm. Die Allround-Tauglichkeit eines Skateboards hatte es leider nicht, besonders auf Wegen mit vielen Bürgersteigen war es eher ungeeignet aufgrund der für Ollies schlechten Geometrie und entsprechend häufigem Absteigen vom Board. Es ist dennoch dank der Stiffness für jede Gewichtsklasse hervorragend geeignet und zeigte sich vergleichsweise Wetterfest.



Für Anfänger und Fortgeschrittene, die ein Brett suchen mit dem man einfacher Ollies ziehen kann um souveräner im Stadtverkehr unterwegs zu sein, rate ich zu einem anderen Brett. Man ist hier schon darauf angewiesen viel zu üben und vor allen Dingen sicher mit den Ollies zu sein. Sind Ollies und Tricks, Slides und sonstiges eher Nebensache und steht eine komfortable Fußablage im hinteren Boardbereich im Vordergrund, so stellt das Pocket Rocket einen guten Begleiter dar. Das angenehme und milde Concave gibt einem ein Gefühl von Wohlbefinden, doch mit größeren Füßen ist dieses Wohlbefinden nicht von allzu langer Dauer aufgrund der verjüngenden Form nach Hinten hinaus.

Bei dem Preis eher etwas für Menschen, die auf edle Optik stehen und kaum mit Bürgersteigen zu tun haben, ansonsten kann man besser zu günstigeren Alternativen von z.B. Riviera oder Landyachtz greifen. 

Bericht: Fabian Arens

Fotos: Marcel Lührs

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